Schulbegleitung bei ADHS
Aufmerksamkeit halten, Impulse kanalisieren, Selbstwirksamkeit aufbauen.
Kinder und Jugendliche mit ADHS bringen oft viele Stärken mit – sie brauchen aber Strukturen, in denen sie diese auch zeigen können. Unsere Begleitung arbeitet ressourcenorientiert: weniger Korrektur, mehr Gerüst.
ADHS ist nicht nur ein Problem – es ist auch eine Ressource
Kinder mit ADHS denken oft assoziativ, schnell und in vielen Richtungen gleichzeitig. Sie haben häufig einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, viel Humor und eine hohe Reaktionsbereitschaft. Im starren Schulkorsett werden diese Eigenschaften jedoch schnell zum Problem – sie kollidieren mit dem, was Unterricht von einem Kind erwartet.
Unsere Arbeit beginnt damit, das Kind nicht in erster Linie als Träger eines Defizits zu sehen. Stärken sind keine Belohnung für gutes Verhalten, sondern Ausgangspunkt für Begleitung. Was funktioniert in welchem Setting? Welche Fächer aktivieren? In welchen Momenten ist das Kind im Flow?
Mikrostruktur statt Daueraufsicht
Die häufigste Falle in der Arbeit mit ADHS-Kindern ist die Daueraufsicht: ständige Erinnerung, ständige Korrektur, ständige Mahnung. Sie zermürbt – Kind und Erwachsene. Wir arbeiten stattdessen mit Mikrostruktur: Aufgaben werden in sehr kleine Schritte zerlegt, mit klaren Anfangs- und Endpunkten. Nach jedem Schritt gibt es eine kurze Pause, eine Bewegung, ein Signal.
Diese Mikrostruktur reduziert die kognitive Last. Sie macht erlebbar, dass das Kind etwas geschafft hat – auch wenn es ‚nur‘ eine Aufgabenzeile war. Aus vielen kleinen Erfolgen entsteht über Wochen ein anderes Selbstbild.
Positive Verstärkung – konkret, sofort, ehrlich
Positive Verstärkung wirkt nur, wenn sie konkret ist (‚Du hast die Aufgabe in zwei Etappen gemacht – das hat geholfen‘) statt allgemein (‚Super gemacht‘), wenn sie sofort kommt und wenn sie ehrlich ist. Übertriebenes Lob unterlaufen Kinder mit ADHS schnell – sie spüren genau, was gemeint ist und was Floskel.
Wir arbeiten mit kurzen Rückmeldungen, oft nonverbal, oft im Vorbeigehen. Korrekturen geben wir leise, einmal, ohne zurückzukommen. Diese Haltung verändert über Wochen die Atmosphäre rund um das Kind – in Klasse, Familie und in ihm selbst.
Bewegung und Pause als Lernhilfe
Stillsitzen ist für viele Kinder mit ADHS keine Voraussetzung für Lernen, sondern dessen Verhinderung. Wir vereinbaren mit Lehrkräften – wo möglich – Bewegungssignale: kurze Strecken zum Mülleimer, das Holen eines Materials, ein Stehpult, ein Therapieband am Stuhl. Diese kleinen Bewegungsanlässe ersetzen Disziplinierungskonflikte.
Pausen verstehen wir nicht als Belohnung, sondern als regulatorische Notwendigkeit. Eine Pause vor dem Reizüberfall ist immer billiger als eine Eskalation danach.
Eltern entlasten
ADHS belastet Familien oft stark – Hausaufgaben werden zum täglichen Drama, Geschwister fühlen sich übergangen, Eltern erschöpft. Unsere Schulbegleitung kann hier viel auffangen, weil sie die Hausaufgaben-Dynamik vom Familienleben entkoppelt. Vieles, was zu Hause Konflikt war, gelingt mit etwas Mikrostruktur in der Schule.
Auf Wunsch beraten wir Eltern zusätzlich zu Routinen, Mediennutzung, Stundenstruktur und Geschwisterthemen. Diese Beratung ersetzt keine Familientherapie, kann aber den Alltag spürbar entspannen.
Für wen geeignet
- Schüler:innen mit ADHS, ADS oder Konzentrationsschwierigkeiten
- Kinder mit hoher Impulsivität oder motorischer Unruhe
- Familien mit hoher Belastung im schulischen Alltag
Vier Versprechen
Sorgfältig ausgewählte Begleiter:innen mit pädagogischem, therapeutischem oder studentischem Hintergrund.
Krankheits- und Urlaubsvertretung ist mitgedacht – Kontinuität für Ihr Kind.
Wir begleiten Sie durch den Antrag, das Hilfeplangespräch und die Kommunikation mit dem Kostenträger.
Regelmäßige Fachberatung, Reflexion und nachvollziehbare Dokumentation.
So arbeiten wir mit Ihnen
Stärken-Check
Wir starten mit dem, was schon gut funktioniert.
Mikrostruktur
Aufgaben portionieren, klare Übergänge, Bewegungspausen.
Positive Verstärkung
Sichtbares Feedback statt Dauerkorrektur.
Elterncoaching
Auf Wunsch Beratung zu Hausaufgabenroutinen und Medien.
Für Familien kostenfrei
Häufig § 35a SGB VIII über das Jugendamt.
- Kostenträger: Jugendamt oder Eingliederungshilfe
- Rechtsgrundlage: § 35a SGB VIII / § 112 SGB IX
- Direkte Abrechnung – kein Eigenanteil der Familie
- Wir unterstützen bei Antrag und Hilfeplan
In ganz Hamburg verfügbar
Wir arbeiten in allen sieben Hamburger Bezirken und kennen die Wege durch Jugendamt, Eingliederungshilfe und ReBBZ vor Ort. Wählen Sie Ihren Stadtteil und erfahren Sie mehr.
Häufige Fragen
Ersetzt Schulbegleitung Medikation oder Therapie?
Nein – sie ergänzt diese auf der Verhaltens- und Strukturebene.
Wie viele Stunden sind sinnvoll?
Das hängt vom Bedarf ab – meist zwischen 10 und 25 Wochenstunden.
Begleiten Sie auch Klassenarbeiten?
Ja, wenn dies im Bewilligungsbescheid vorgesehen ist.
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